KINTEI Sense Tanimoto Takashi Iga Vase Iga Keramik Japan Iga Hanaire Vase mit Ohren Wabi-sabi Stil Koge, Yohen, Ascheanflug Mobile screen
WERKSTATT

MITA GAMA

三田 窯

TÖPFER

TANIMOTO TAKASHI

谷本 貴


STECKBRIEF

   
Ort Iga, Mie Präfektur, Japan
Gegründet Aktiv in Mita Gama seit 2005
Stil Iga
Ofen Anagama, verschiedene Öfen
Ton Iga
Glasur Yakishime (Holzbrand)

TANIMOTO TAKASHI: KUNSTVOLLE DEKADENZ

Von Shigaraki nach Iga sind es etwa 20 Minuten Autofahrt durch verschiedene Täler. Trotz ihrer Lage in unterschiedlichen Präfekturen verbindet die beiden Orte vieles. Iga, auch als Ninja-Hochburg bekannt, zählt – wie Shigaraki – zu den sechs alten Öfen Japans.

Durch die Nähe zum Biwa-See, dem größten Binnensee des Landes, findet sich in beiden Regionen ein außergewöhnlich hochwertiger Ton aus dessen Sedimenten. Plastisch und feldspatreich eignet er sich ideal für unglasierte Holzbrandkeramik – eine Eigenschaft, die sowohl den Iga- als auch den Shigaraki-Ton prägt.

Mita Gama, das Atelier der Familie Tanimoto, in der Takashi seit 2005 aktiv ist, liegt etwas abseits des Stadtzentrums von Iga, auf einer kleinen Anhöhe mit Blick über die Stadt. Die Umgebung wirkt beinahe entrückt: traditionelle japanische Gebäude, ein kleiner Teich, üppige Natur. Ein Ort von stiller Intensität, der durch das klare Wetter an diesem Tag zusätzlich an Strahlkraft gewann.

TANIMOTO TAKASHI MITA GAMA KINTEI Sense IGA KERAMIK JAPAN Sicht aus der Werkstatt
TANIMOTO TAKASHI MITA GAMA KINTEI Sense IGA KERAMIK JAPAN Eingangstor
TANIMOTO TAKASHI MITA GAMA KINTEI Sense IGA KERAMIK JAPAN Hanaire Iga Vase mit Ohren
TANIMOTO TAKASHI MITA GAMA KINTEI Sense IGA KERAMIK JAPAN Werkstatt Gebäude

Iga-Keramik und Teekultur

Tanimoto entstammt einer Töpferfamilie, die die Tradition der Iga-Keramik bewahrt – eng verbunden mit der japanischen Teekultur. Ihren Höhepunkt erlebte die Iga-Keramik im späten 16. Jahrhundert während der Momoyama-Zeit, als bedeutende Teemeister rustikale, natürliche Formen mit ausgeprägtem Wabi-Sabi-Charakter neu würdigten.

Iga entwickelte sich so zu einem Zentrum für japanische Teekeramik. Besonders Hanaire-Gefäße für Blumendekoration sowie Teeschalen zählen zu den charakteristischen Formen dieser Keramiktradition.

TANIMOTO TAKASHI MITA GAMA KINTEI Sense IGA KERAMIK JAPAN Tanimoto Takashi Portrait

MITA GAMA: Generationen im Dialog

Das Werk von Tanimoto Takashi steht in einer klaren generationsübergreifenden Linie. Sein Großvater, Tanimoto Mitsuo, setzte sich für die Wiederbelebung der Iga-Keramik ein. Sein Vater, Tanimoto Kei, entwickelte daraus eine freiere, skulpturale Formensprache – inspiriert von Bronzeglocken, zufälligen Formen und bewusster Farbgebung. Auch seine Mutter ist als Keramikerin aktiv.

Seit 2005 arbeitet Takashi in der familieneigenen Töpferei Mita Gama und verbindet beide Ansätze: klassische Tee- und Sake-Keramik ebenso wie zeitgenössische, freie Arbeiten. Dabei führt er Material, Brennprozesse und Formgebung konsequent an ihre Grenzen.

TANIMOTO TAKASHI MITA GAMA KINTEI Sense IGA KERAMIK JAPAN Tanimoto Kei Keramik Bronze Glocken Einfluss mit Glasur
TANIMOTO TAKASHI MITA GAMA KINTEI Sense IGA KERAMIK JAPAN Tanimoto Takashi Skulptur mit Feldspat Galerie

Wabi-Sabi und die Formensprache des Unvollkommenen

Seine Werke wirken ursprünglich und kraftvoll, mitunter beinahe brutal in ihrer Natürlichkeit. Die Formen erscheinen gedrückt, verzogen, teils destruktiv oder dekadent – und spiegeln die rohe Energie und den charakteristischen Ausdruck des lokalen Iga-Tons wider.

Gleichzeitig entsteht aus diesem Verformen und Verdichten eine überraschende Balance. Die Objekte fügen sich zu einem harmonischen Ganzen, tief verwurzelt in der asymmetrischen Ästhetik der Iga-Keramik, welche als Quintessenz der Wabi-Sabi Philosophie steht.

Seine Teeschalen entstehen häufig im Handaufbau – durch Pinching (Tebineri) oder Wulsttechnik. Für andere Gefäße nutzt er ein Kickwheel, eine fußbetriebene Drehscheibe. Diese Techniken verleihen seinen keramischen Arbeiten eine unverwechselbare Präsenz.

TANIMOTO TAKASHI MITA GAMA KINTEI Sense IGA KERAMIK JAPAN Kickwheel Fußdrehscheibe
TANIMOTO TAKASHI MITA GAMA KINTEI Sense IGA KERAMIK JAPAN Werkstatt Regale mit Keramik
TANIMOTO TAKASHI MITA GAMA KINTEI Sense IGA KERAMIK JAPAN Anagama von Tanimoto Großvater
TANIMOTO TAKASHI MITA GAMA KINTEI Sense IGA KERAMIK JAPAN Kleiner Raku Ofen

Brennprozesse und Holzbrandkeramik

Für seine Arbeiten verwendet Tanimoto den lokalen Iga-Ton und setzt auf komplexe, oft mehrfache Brennprozesse. Häufig nutzt er den traditionellen Anagama-Ofen seines Großvaters, befeuert mit rotem Kiefernholz, um Temperaturen von etwa 1200–1300 °C zu erreichen.

So entstehen charakteristische Yōhen-Effekte der Holzbrandkeramik wie Koge (Verkohlung) oder Bidoro (glasartige Perlenbildung). Einige Werke werden mehrfach gebrannt und im Ofen unterschiedlich positioniert, um die Effekte weiter zu intensivieren.

Neben dem Anagama arbeitet er auch mit Elektro-, Gas- und Heizölofen sowie mit einem Itte-Koi-Ofen und einem Raku-Ofen. Diese Vielfalt an Brenntechniken erweitert seine keramische Praxis erheblich.

Tanimoto Takashis Arbeiten tragen den Geist des Wabi-Sabi in sich und verkörpern den unverwechselbaren Charakter der Iga-Keramik: rau, expressiv, verzogen und bewusst asymmetrisch.
So entstehen Objekte, die gleichermaßen archaisch und gegenwärtig wirken – geprägt vom Dialog zwischen Material, Feuer und der Hand des Künstlers.

TANIMOTO TAKASHIS LEBENSLAUF

1978 geboren in Iga, Mie Präfektur
1997 Studium in der Doshisha-Universität, Abteilung für Ästhetik und Kunstwissenschaft, Fakultät für Geisteswissenschaften
2002 Studium in der Kyoto Prefectural Advanced Technical School for Ceramics
2003 Studium unter Mori Masashi
2004 Studium in Italien mit einem Stipendium der Okada-Kulturstiftung
2005 Rückkehr nach Japan in die Mita Gama Werkstatt
2006 Erste Einzelausstellung; seitdem Einzelausstellungen an verschiedenen Orten (Japan, Department Stores, Galleries and international exhibitions)

Jüngste Ausstellugen
2025 Stratford Gallery (UK), Tobetobekusa Gallery (Japan), Daimaru Department Store (Japan), etc.