Ryuta Gama Nakazato Kenta Hakeme small bowl hero shot Karatsu, Japan KINTEI Sense
WERKSTATT

RYUTA GAMA

隆太窯

TÖPFER

NAKAZATO TAKI & KENTA

中里 太亀・健太


STECKBRIEF

   
Ort Karatsu, Saga Präfektur, Japan
Gegründet 1974
Stil Karatsu: Mishima, Hakeme, Madara, Nanban Karatsu...
Ofen Noborigama. Gasofen, Elektroofen
Ton Lokaler Bergton aus Karatsu
Glasur Engobe, transparente Glasur, Strohascheglasur...

Ryuta Gama ist eine Werkstatt, die auf einer sehr langen Historie ruht und Teil der namhaften Nakazato Familie ist.

Der Weg zur Werkstatt führt vom Karatsu Bahnhof hinauf in die Hügel des Hinterlandes. Gerade an einem heißen, schwülen Tag ist die Fülle an Bäumen und Laub ein Segen, um etwas kühle Frische zu spüren.

Der Komplex aus mehreren Gebäuden versteckt sich im Dickicht, gut getarnt. Neben dem alten, privatem japanischen Haus gibt es eine wunderschönes, ebenfalls traditionelles Gebäude, welches als Galerie und Gästeempfang dient. Weiter unten auf dem hügeligen, idyllischem Gelände befindet sich das großräumige Atelier, welches hinten auf einen großen Garten, in dem auch Veranstaltungen stattfinden, hinausblickt. Weiter oben von der Galerie befinden sich verschiedene Hangar mit diversen Geräten, einem der Noborigamas und Lager für Holz. Alles ist überaus gepflegt und aufgeräumt. Sogar kleine Vasen mit Blumenarrangements schmücken die Hangar.

Ryuta Gama Nakazato Taki und Kenta

Nakazato – eine lange Familiengeschichte

Es ist unmöglich in Karatsu dem Namen Nakazato nicht zu begegnen. Mit 15 Generationen ist es die wahrscheinlich älteste Töpferfamilie, die bis zu den Anfängen der Karatsu Keramik zurückreicht und damals von den lokalen Feudalherren Karatsus gefördert wurde.

Dementsprechend ist es nicht überraschend , dass die Nakazato Familie eine weitläufige Familie und in verschiedenen Branchen unterteilt ist. Zur Zeit ist der aktuelle Titelträger der Nakazato Familie Taroemon XIV (Tadahiro). Seine Werkstatt befindet sich in Tojinmachi mit einem Museum und dem historischen Noborigama Ochawankama, heute ein Kulturerbe. Ganz in der Nähe des Hauptbahnhofes ist es einen Umweg auf jeden Fall Wert.

Die Ryuta Gama Werkstatt wurde 1974 von Nakazato Takashi, geb. in 1937, gegründet. Er ist der 5. Sohn von Nakazato Muan, Taroemon XII (1895-1985). Nakazato Muan erhielt 1976 die Auszeichnung des Living National Treasures für seinen unschätzbaren Beitrag Karatsu Keramik wieder zu beleben. Aufgrund der unglaublich schönen Lage der Werkstatt, verlieh Koyama Fujio, einer der einflussreichsten Keramikspezialisten und Töpfer, den Namen Ryuta Gama.

Heute sind es drei Generationen, die hier in der Ryuta Gama Werkstatt zusammen arbeiten: Takashi, sein Sohn Taki (geb. 1965) und sein Enkel Kenta (geb. 1993).

Nakazato Tarouemon Workshop Atelier Museum Historischer Ofen Ochawankama Karatsu Keramik Japan KINTEI Sense

Karatsu und der asiatische Einfluss

Karatsu ist eine Küstenstadt auf der westlichen Seite von Kyushu in der Saga Präfektur. Daher rührt auch der Name der Stadt und der lokalen Keramik: Karatsu bedeutet „Chinesischer Hafen“.

Karatsu Keramik ist historisch stark von Korea beeinflusst. Im 15. -16. Jahrhundert wurden nach den „Töpfer“ Kriegen, viele koreanische Keramiker nach Japan gebracht. Sie führten innovative Techniken und Stile ein, von denen Karatsu noch heute stark geprägt ist. Ein repräsentatives Beispiel dafür ist ein Stil dessen Name „Chosen Karatsu“ wortwörtlich mit „koreanischem Karatsu“ übersetzt werden kann.

Ryuta Gama Galerie Karatsu Keramik Japan KINTEI Sense

Nakazato Grundsatz

Die Nakazato Familie führt die traditionellen Techniken Karatsus weiter, auch wenn jeder einzelne auf seine Art und Weise seinen eigenen Stil verfeinert . Dabei wird grundsätzlich bei Ryuta Gama Gebrauchskeramik in verschiedenen Stilen hergestellt, davon u.a. einige Beispiele hier:

  • Mishima: Diese Technik hat nichts mit der Stadt Mishima in der Nähe von Shizuoka zu tun. Vielmehr handelt es sich hier um eine, von koreanischen Korai Teeschalen aus der Koryo Periode (935-1392), inspirierten Technik der Einlegearbeit oder Intarsien. Motive werden mit Stempel in die Keramik, meistens Schüsseln, Schalen oder Teller, gestanzt, bevor sie dann mit weißer Engobe eingepinselt oder eingetaucht werden. Durch behutsames Abkratzen oder Abwischen der überschüssigen Engobe kommt das weiße Einlegemotiv auf dem dunklen, eisenhaltigen Ton gut zum Vorschein. Danach versiegelt transparente Glasur die Kreation im Hochbrand.
  • Hakeme: Die Hakeme Technik ist ihrerseits von der Buncheong Keramik aus Korea inspiriert, welche im 15. Und 16. Jahrhundert in der Joseon Epoche (1392-1910) starken Anklang fand. Hier wird auf dem lederharten Ton mit einem groben Pinsel aus Zweigen oder Reisig eine kontrastierende Engobe aufgetragen. Auch hier wird die Kreation danach meistens mit einer transparenten Glasur gebrannt.
  • Madara: Dieser Stil ist ebenfalls eine glasierte Keramik, jedoch meistens ohne Motive. Die milchige Strohasche Glasur zeichnet sich durch bläuliche Flecken oder Spots aus, die der Glasur den Madara Namen verleihen. Tatsächlich bedeutet Madara "Flecken" auf Japanisch.
  • Nanban Karatsu: Nakazato Takashi entwickelte nach seiner mehrjährigen Erfahrung mit Tanegashimayaki, einer unglasierten Holzbrandkeramik, seine eigene Yakishime - unglasierte Keramik - Technik. Der Name Karatsu Nanban spiegelt den Einfluss aus Süd-Ostasien wieder.

Die Nakazato-Familie verfolgt einen gemeinsamen Ansatz: Keramik soll dazu dienen, Speisen hervorzuheben und somit visuell und haptisch Freude bringen. Tatsächlich kochen die Nakazatos auch leidenschaftlich gerne und verstehen Kulinarik, zu der Keramik dazugehört, als eine Freude, ein schöner Moment, der mit anderen geteilt wird.

Ryuta Gama Workshop Atelier Karatsu Keramik Japan KINTEI Sense

Ton und Brand

Wenn es um die Rohstoffe geht, nutzen Nakazato Takashi, Taki und Kenta natürlich lokal vorhandene Materialien, wie z.B. Holz oder Bergton. Der Karatsu Ton aus dem Hügelland zeichnet sich durch seine starke Eisenhaltigkeit und seiner sehr dunklen Färbung nach dem Brand aus .

Darüberhinaus werden für den Brand, verschiedene Methoden genutzt, je nach dem gewollten Effekt:

Der Elektroofen eignet sich gut für die Mishima Keramik, da hier im reduktiven Brand bei hohen Temperaturen kleine Eisenexplosionen entstehen, welche der Mishima Keramik eine weitere Dimension verleihen. Außerdem nimmt die weiße Engobe durch die Reduktion spannende farbliche Variationen an. Weiters werden auch Gasofenbrände zum Beispiel für Hakeme Keramik eingesetzt.

Für die gemalten „E-Garatsu“ oder „E-Hakeme“ Keramik, sowie die Karatsu Nanban Stücke wird der Noborigama, Holzbrandofen, bevorzugt. Es gibt zwei Öfen, wobei der größere und ältere kaum noch benützt wird. Am Tag meines Besuches war Nakazato Kenta gerade beim Einräumen des Ofens. Das Geschick, das Wissen, wo jedes Stück am besten platziert werden soll, kann nur durch Erfahrung erlangt werden. Gefeuert wird im Durchschnitt 4x im Jahr, mit Kiefern- oder Eichelholz aus der Umgebung für ca. 50 Stunden.

Ryuta Gama Noborigama Holzofen Karatsu Keramik Japan KINTEI Sense