HAYASHI YUKA
林 友加
HAYASHI YUKA
林 友加
STECKBRIEF
| Ort | Toki, Gifu Präfektur, Japan |
| Gegründet | 1998 |
| Stil | Shino |
| Ofen | Gasofen |
| Ton | Seto und Shigaraki |
| Glasur | Shino, Nezumi Shino |
HAYASHI YUKA: poetische Raffinesse
Auf der nördlichen Seite von Toki, in der Mino-Region Japans, liegt das traditionelle Anwesen der Töpferfamilie Hayashi. Ein großes Holztor führt in einen beinahe magischen Garten mit einem traditionellen Teehaus und einem malerischen japanischen Gebäude, das zugleich als Werkstatt dient.
Bevor wir die Werkstatt betreten, lädt mich Hayashi Yuka auf eine Schale Matcha in ihre modernen Ausstellungsräume ein, in denen sie ihre unverwechselbaren Teeschalen präsentiert. Der helle Raum eröffnet einen eindrucksvollen Blick auf den Garten – ein Moment der Ruhe, bevor wir uns später dem Produktionsprozess widmen.




SHINO-KERAMIK UND DAS ERBE DER JAPANISCHEN TEEZEREMONIE
Ursprung in der Teezeremonie
Die Shino-Kreationen von Hayashi Yuka sind tief in der japanischen Teekultur und in der lokalen Tradition der Mino-Keramik verwurzelt. Die Mino-Region, zu der auch Toki gehört, gilt als Geburtsstätte des berühmten Shino-Stils. Gemeinsam mit Oribe und Seto (Kuro-Seto und Ki-Seto) zählt Shino zu den drei keramischen Säulen der Mino-Gegend, die während der Momoyama-Zeit im 16. Jahrhundert die Blüte der japanischen Teezeremonie prägten.
Besonders bekannt war Shino für seine organischen, großzügigen Matcha-Teeschalen. Nachdem der Stil über lange Zeit in Vergessenheit geraten war, brachte ihn Arakawa Toyozō in den 1920er-Jahren wieder zu neuer Bedeutung.
Shino Keramik
Charakteristisch für Shino-Keramik ist die üppige, warme und leicht transluzide weiße Feldspatglasur. Durch die chemische Reaktion mit dem Eisen im Ton entstehen häufig die geschätzten orange- oder rosafarbenen Nuancen. Shino war zudem einer der ersten Keramikstile, bei dem Dekorationen mit Eisenoxid gemalt wurden, anstatt sie in die Oberfläche einzuritzen oder zu schnitzen.
Neben dem klassischen Shino existieren verschiedene Varianten, darunter Nezumi-Shino (graues „Maus-Shino“, benannt nach der grauen Glasurfarbe, die durch eine eisenhaltige Grundlage entsteht), Aka-Shino (rotes Shino) sowie E-Shino, das mit gemalten Motiven und Mustern dekoriert ist.
Besonders geschätzt sind bei Shino-Schalen die lebendigen Glasurverläufe – mal üppig, mal zurückhaltend –, bei denen auch die rötlichen Brandspuren (Hi-iro) sichtbar werden. Ebenso begehrt sind kleine, zitronenhautartige Glasurporen (Yuzuhada) oder feine Craquelé-Linien. Traditionell werden Shino-Schalen mit spontanen, leichten Pinselmustern aus Eisenunterglasur dekoriert. Bei Nezumi-Shino sind die Motive oft komplexer und klarer gezeichnet, etwa Seegras- oder Tierdarstellungen auf kleinen Tellern.

HAYASHI YUKAs Moderne Interpretation der Shino TRADition
Der unverwechselbare Stil von Hayashi Yuka zeigt sich in einer reduzierten und klaren Formensprache. Ihre Matcha-Teeschalen (Chawan) und Sake-Schalen sind bewusst schlicht gestaltet: Eine breite Basis trifft auf einen engeren Mund, wodurch die geometrischen wirkenden Glasurmuster ihrer modernen Interpretation besonders klar hervortreten. Das subtile Zusammenspiel der Glasuren in zarten Grau- und Rosatönen verleiht den Arbeiten eine stille, elegante Ästhetik.
Gefertigt werden die Stücke aus lokalem, hellem Mogusa-Ton, der die typische rosafarbene Verfärbung der Shino-Keramik hervorbringt. Für ihre monochromen, dunkleren Arbeiten verwendet Hayashi Yuka einen eigens entwickelten schwarzen Ton. Die Shino-Glasur basiert auf Feldspat und erscheint – ganz in der lokalen Tradition – üppig, aber matt.
Gebrannt werden die Schalen mit großer Präzision im Gasofen. Der Ofen wird dabei bewusst nicht vollständig ausgelastet, um eine bessere Zirkulation zu ermöglichen und so die charakteristischen Effekte ihrer Shino-Glasur zu verstärken.


HAYASHI YUKAS WEG ZUR SHINO-KERAMIK
Für ihre poetische und zugleich raffinierte Shino-Keramik wurde Hayashi Yuka mehrfach ausgezeichnet und ihre Werke sind in verschiedenen Museen aufzufinden. Aufgewachsen in einer Töpferfamilie in Toki, führte ihr akademischer Weg zunächst nach Tokio, bevor sie ihre Leidenschaft für Keramik entdeckte. Nach einer anfänglichen Fokussierung auf Porzellan, widmet sie sich heute vor allem der Shino-Keramik. Dabei entwickelt sie den traditionellen Stil kontinuierlich weiter, mit dem Ziel, die lange Geschichte von Shino in eine zeitgenössische Form zu übersetzen.
So entstehen Gefäße, die tief in der Tradition verwurzelt sind und zugleich im Einklang mit der Gegenwart stehen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Hayashi Kyosuke – einem anerkannten Träger des immateriellen Kulturerbes der Stadt Toki für seine Ki-Seto-Keramik – führt sie das jahrhundertealte Savoir-faire der Mino-Keramik fort.





HAYASHI YUKA Shino Guinomi Sakeschale B

HAYASHI YUKA Shino Guinomi Sakeschale A

HAYASHI YUKA Shino Chawan Teeschale (Rosa)

HAYASHI YUKA Shino Chawan Teeschale (Grau)
HAYASHI YUKAS LEBENSLAUF
1971 geboren in Japan
1994 Abschluss an der Kansai University, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
1998 Abschluss am Toki City Ceramics Test Center
Mehrfache Auszeichnungen bei Oribe-, Tee- und Hagi-Keramikwettbewerben. Kontinuierliche Ausstellungstätigkeit in Japan (Department Stores, Galerien, etc.) und im Ausland (UK).
Aufnahme von Arbeiten in Langzeitsammlungen zur Mino-Keramik (z.B. Shino-Chawan in die ständige Sammlung des Toshin Mino Ceramics Museum)
2026 Osaka Takashimaya Ausstellung
2026 Feature im Casa Brutus Magazin
