SAWA KATSUNORI
澤 克典
SAWA KATSUNORI
澤 克典
STECKBRIEF
| Ort | Shigaraki, Shiga Präfektur, Japan |
| Gegründet | 2005 |
| Stil | Shigaraki, Oribe |
| Ofen | Anagama, Noborigama |
| Ton | Shigaraki |
| Glasur | Yakishime (Holzbrand), Oribe |
SAWA KATSUNORI : Shigaraki Tradition & Oribe Kreativität
Ohne es damals zu wissen, gehörte eines der Keramikstücke, das mich am meisten beeindruckte, zu den typischen Shigaraki-Gefäßen von Sawa Katsunori. Erst als ich begann, für die Galerie zu recherchieren, kreuzten sich unsere Wege. Umso größer war die Freude, seine Werkstatt zu besuchen und die Vielfalt seiner Arbeiten zu entdecken.
An diesem Tag lief gerade ein Brand im kleinen Anagama-Ofen für eine Ausstellung in Tokio. Trotz der extremen Hitze herrschte konzentrierte Geschäftigkeit: Sawa-san arbeitete gemeinsam mit seinem Freund Sugimoto Yu, einem bekannten Töpfer aus Shigaraki, sowie einigen Helfern. Die Spannung und Dynamik des Holzbrandes waren beeindruckend.




Künstlerischer Background
Sawa Katsunori stammt aus einer Töpferfamilie in Shigaraki. Bereits sein Großvater war Töpfer, und sein Vater arbeitet noch heute als Keramikkünstler im selben Atelier. Die Werke seines Vaters verdeutlichen die rohe Kraft der Shigaraki Keramik. Katsunoris Werke sind etwas eklektischer. Zum einen arbeitet er in der Shigaraki-Tradition weiter, wobei sich seine Arbeiten besonders auf die farblichen Einflüsse des Feuers konzentrieren, die aus dem Zusammenspiel von Oxidation und Reduktion im Ofen entstehen.
Zum anderen hat er sich – überraschenderweise – auch einem ganz anderen Stil verschrieben: dem Oribe-Stil. Diesen Stil entdeckte Sawa-san als Kind, als er seinen Vater begleitete. Fasziniert davon, lernte er bei Suzuki Goro, ein wahrer Meister des Oribe, nach seinem Studium drei Jahre lang. Der Oribe Stil steht im deutlichen Gegensatz zu Shigaraki, da er stark von Glasur und gemalten Motiven geprägt ist und damit weit weniger vom direkten Einfluss des Feuers lebt. In seinen Werken bringt Sawa Katsunori so einerseits die Kraft von Feuer, Ton und Natur zum Ausdruck, lässt andererseits aber auch seiner malerischen Inspiration freien Lauf.

Shigaraki — Die Kraft des Tons und Feuers
Shigaraki, eine kleine Stadt in der Präfektur Shiga, gehört zu den Sechs Alten Öfen Japans (Nihon Rokkoyō). Der Ton ist besonders plastisch, enthält Feldspatkörner und gilt als einer der besten Keramiktone Japans. Viele Künstler aus ganz Japan beziehen Shigaraki-Ton für ihre Werke, doch die natürlichen Vorkommen neigen sich dem Ende zu.
Der Ton eignet sich besonders für Yakishime, also unglasierte Hochbrandkeramik. Während des Holzbrandes verfärbt er sich von hellem Weiß zu verschiedenen Rottönen. Gleichzeitig lagert sich natürliche Holzasche auf den Gefäßen ab, verschmilzt mit dem Ton oder bildet feine Glasperlen und glasartige Schlieren. So entstehen einzigartige Spuren des Feuers, die jede Arbeit unverwechselbar machen.


Oribe — Die malerische Freiheit


Verbindung der zwei Stile: Yobitsugi oder die Technik des Zusammenfügens


Yakishime und natürliche Farbenspiele
Bei unserem Besuch widmeten wir uns Sawa-san’s Yakishime-Arbeiten, die im kleinen Anagama-Ofen gebrannt werden, der fast monatlich betrieben wird, mit Ausnahme der heißen Sommermonate Juli und August. Ein Brand dauert mehrere Tage, in denen Töpfer und Helfer das Feuer kontinuierlich kontrollieren und Holz nachlegen. Ein größerer Noborigama-Ofen steht ebenfalls zur Verfügung, wird heute jedoch nur selten genutzt.
Viele Formen erinnern an klassische Shigaraki-Teekeramik, darunter die sogenannte Eimerform („Pail“). Unglasiert gebrannt entwickeln die Stücke eine erstaunliche Farbvielfalt – von Gelb über Blau und Grau bis hin zu Schwarz (Yōhen) – die durch Luftzufuhr, Temperaturveränderungen oder die Hikidashi-Technik entstehen, bei der ein Stück abrupt aus dem Ofen genommen und abgekühlt wird.
Besonders faszinierend sind die natürlichen Ascheablagerungen, die sich in Rinnen sammeln oder zu glasigen „Augen“ auf den Gefäßen verschmelzen und so die Spur des Feuers sichtbar machen. Sawa-san lässt dieses Zusammenspiel von Feuer, Ton und Natur bewusst wirken, während sein Vater die rohe Kraft des Feuers noch intensiver zur Geltung bringt. Zusammen zeigen Vater und Sohn zwei Facetten der Shigaraki-Tradition: kraftvoll und zugleich poetisch.
SAWA KATSUNORI LEBENSLAUF
- 1980 geboren in Shigaraki, Präfektur Shiga, Japan, in eine Töpferfamilie
- 2002 Abschluss am Shigaraki Ceramic Research Institute; Beginn der Ausbildung bei Suzuki Goro (Oribe-Meister)
- 2005 Rückkehr nach Shigaraki und Beginn der eigenständigen Arbeit
- Regelmäßige Einzel- und Gruppenausstellungen in Japan seit den 2000er-Jahren, u. a. in Shigaraki, Kyoto und Tokyo und Internationale Präsentationen, u. a. San Francisco und Europa
- 2025 HULS Gallery Singapore, Tokyo
- 2026 Gruppenausstellung The Stratford Gallery (UK)

