TAO AKIRA
田尾 晃
TAO AKIRA
田尾 晃
STECKBRIEF
| Ort | Shigaraki, Shiga Präfektur, Japan |
| Gegründet | Aktiv seit 2014 |
| Stil | Shigaraki |
| Ofen | Anagama, Itte-koi Ofen |
| Ton | Shigaraki |
| Glasur | Yakishime (Holzbrand) |
TAO Akira: Avantgardistische Objets & die Kraft der Geometrie
Shigaraki, einer der sechs alten Öfen Japans, ist bis heute von Keramik geprägt. Bekannt für seinen exzellenten lokalen Ton und seine lange Tradition, steht der Ort sowohl für ikonische Tanuki-Figuren als auch – und vor allem – für Yakishime: unglasierte Keramik aus dem Holzbrand.
Während viele etablierte Künstler, darunter auch Sawa Katsunori, einer stärker von der Teezeremonie geprägten Tradition folgen, positioniert sich ein junger Künstler bewusst eigenständig: Tao Akira.




Tao Akira – der Weg nach Shigaraki
Tao Akira stammt aus Nagasaki und nicht aus einer Keramikfamilie, wie sie in Shigaraki häufig anzutreffen ist. Nach seiner Schulzeit in den USA studierte er am New York State College of Ceramics an der Alfred University, wo er neben Glas auch Keramik für sich entdeckte und anschließend als Assistent weiter vertiefte.
2016 kam er nach Shigaraki in den Shiga Prefectural Ceramic Cultural Park. Was als Residency begann, wurde zur künstlerischen Heimat: Er blieb als technischer Mitarbeiter im Creative Training Center.
Auch persönlich wurde Shigaraki prägend – hier lernte er seine Frau Takahashi Yoshiko kennen, selbst Keramikerin und Tochter von Takahashi Rakusai (5. Generation der angesehenen Töpferfamilie in Shigaraki).

Objet KEramik – Form als zentrales Element
Die Form ist das zentrale Ausdrucksmittel in Tao Akiras Arbeit. Seine geometrischen, oft scheinbar schwebenden Strukturen fordern die Gravitation heraus und wirken zugleich präzise und organisch.
Der Entstehungsprozess beginnt intuitiv: Skizzen entstehen als schnelle Doodles, ohne feste Pläne. Aus einzelnen Elementen – Prismen, Kugeln, Flächen – entwickelt er im Handaufbau komplexe Kompositionen, die sich aus verschiedenen Perspektiven erschließen. Spannend für Tao-san sind dabei die Anknüpfungspunkte oder Berührungspunkte zwischen den verschiedenen Elementen.
Das Ergebnis sind eigenständige, skulpturale Objekte, die bewusst mit der traditionellen Formensprache Shigarakis brechen.


Kontinuität im Bruch
Trotz dieser klar zeitgenössischen Haltung bleibt Tao Akiras Arbeit tief in der japanischen Keramiktradition verankert. Seine Werke lassen sich zwar von der Form her im Kontext der Sodeisha-Bewegung lesen – einer Bewegung, die Keramik als freies, skulpturales „Objet“ jenseits klassischer Gefäßformen etablierte. Gleichzeitig behalten viele seiner Arbeiten eine subtile Funktionalität, etwa als Vase für Ikebana oder im Kontext der Teezeremonie.
Auch die Materialwahl und Brennart verankert seine Arbeiten klar in der Region: Verarbeitet wird lokaler Shigaraki-Ton sowie Ton aus dem benachbarten Iga, ebenfalls einer der sechs alten Öfen mit langer Holzbrandtradition. Ihre Zusammensetzung – reich an Schamotte und Feldspat – macht sie besonders widerstandsfähig und ideal für komplexe, frei aufgebaute Formen.
Gerade im Holzbrand entfalten diese Tone ihr volles Potenzial: Sie reagieren sensibel auf Feuer, Asche und Temperaturverläufe und sind damit ein wesentliches Element der gestalterischen Sprache.
Shigaraki und Iga Ton
Der helle Ton aus den Sedimenten des Biwa-Sees kann im Brand weiß ausbrennen, entwickelt jedoch im Holzbrand warme Braun- und Rottöne.
In Tao Akiras Arbeiten treten diese Nuancen besonders deutlich hervor: Kanten, Flächen und Vertiefungen machen unterschiedliche Hitzezonen sichtbar. Weiße Partien stehen neben rötlichen Brandspuren, ergänzt durch feinen Ascheanflug.
Die typischen Feldspat-Einschlüsse bleiben sichtbar und verleihen den geometrischen Formen eine erdige, natürliche Tiefe. Teilweise setzt Tao Akira zusätzlich Titan-Glasuren ein, um gezielte Farbkontraste zu erzeugen.


Holzbrand als finaler Touch
Für den Holzbrand stehen Tao-san dank des Reserach Centres verschiedene Öfen zur Verfügung. Hauptsächlich brennt Tao Akira im Anagama- oder im Itte-Koi-Brennofen.
Der Anagama erzeugt starken Ascheanflug sowie charakteristische Koge-Spuren (Verkohlung), während der Itte-Koi-Ofen differenziertere Farbverläufe und sogenannte „Flashes“ ermöglicht, da das Feuer indirekt unter der Brennkammer geführt wird und die Keramiken weniger direkter Flamme ausgesetzt sind. Der Itte-Koi ist zudem effizienter als der klassische Anagama: Die Brenndauer liegt bei etwa 14–15 Stunden, maximal bis zu 20 Stunden, wodurch weniger Holz benötigt wird.
Größere Arbeiten werden meist vor dem Holzbrand geschrüht, um Transportschäden oder Spannungsrisse im Ofen zu vermeiden. So entsteht ein kontrollierter Prozess, in dem Material, Feuer und Zeit präzise aufeinander abgestimmt werden – und jede Arbeit ihren eigenen Brennverlauf erhält.
TAO AKIRAS LEBENSLAUF
1991 geboren in Nagasaki, Japan
2014 The New York State College of Ceramics at Alfred University, Art & Design, Abschluss
2014–2015 Assistant Technician, The New York State College of Ceramics at Alfred University
2016–2017 Studio Artist, Shiga Prefectural Ceramic Cultural Park, Shigaraki
2017–heute Technical Staff, Creative Training Center, Shigaraki
Verschiedene Ausstellungen in Japan


